Dienstag, 22. Dezember 2020

Tipps vom Doktor 05.06.2012

Vielleicht habt ihr noch in Erinnerung, dass wir am Freitag in Denizli an kamen und (um es abzukürzen) Mehmet gefunden haben. Wir klingelten und sahen in der 3. Etage auf dem Balkon 2 Gesichter zwischen den Sonnenschutztüchern erscheinen, die es noch weniger als wir glauben konnten, wer dort vor der Tür stand. Die Überraschung war perfekt. Wir wurden mit einem kurzen "kommt hoch" in die Wohnung gebeten und trafen dort Zeynep, Mehmet und 2 Frauen an, die uns allesamt herzlich begrüßten. 

14 Jahren sind ins Land gegangen, 14 Jahre ohne Kontakt. 14 Jahre ändern Menschen, auch optisch. Wir begrüßten die Frauen und waren uns nicht sicher, ob wir sie bei dem letzten Zusammentreffen (Hochzeit der Tochter Seda) kennen gelernt hatten. Wir sprachen sie an und unterhielten uns auf unserem, uns eigenen "chinesisch", d. h. deutsch/englisch/türkisch (manchmal fallen auch Begriffe, Wörter auf "jugoslawisch", oder griechisch),dieses Kauderwelsch bringt uns manchmal zur Verzweiflung, aber meistens lachen wir uns kaputt. Aber- es klappt, die Verständigung haut hin. Die 2 fremden Frauen waren sehr herzlich zu uns, wir fühlten uns wohl in ihrer Nähe, während Doktor im Nebenzimmer "behandelte". 

Zum Thema zurück: 

Wir sprachen mit den beiden Frauen, die wissen wollten, woher wir kamen, was wir machen, wohin wir wollen usw. Wir beantworteten die zahlreichen Nachfragen gewissenhaft und hielten uns wegen der Verständigungsschwierigkeiten die Bäuche vor lachen. 

Anschließend gingen wir ins Wohnzimmer und plötzlich saß die Frau (angedachte Cousine) auf dem Fußboden, "Doktor" massierte den Hals, renkte die Schulter ein, legte die Hand auf die Schultern und plötzlich sprang die Frau wie ein junges Reh auf und war von ihren Schmerzen befreit, geheilt. Erst jetzt wurde uns klar, dass es Zufall war, dass wir die Frau überhaupt kennengelernt hatten, denn sie war keine Cousine, sondern Patientin. Wir fielen fast von der Couch vor Staunen. Dann verabschiedete sich die Frau. 
"Doktor" behandelte, gab Anweisungen, die der Mann auf einem Zettel notierte, wir trauten unseren Augen und Ohren nicht. Der Mann war so von unserem "Doktor" überzeugt, wie wir vielleicht von einer Behandlung durch Prof. Dr. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik wären. Er erzählte UNS von seinen Leiden und vom Glück, unseren "Doktor" angetroffen zu haben. Anschl. zahlte er 50 TL (ca. 23 €) und wir sahen ihn nie wieder. Wahrscheinlich kann er jetzt über Wasser laufen, dachten wir. Er war total glücklich.

Dann kamen wir ins Gespräch mit Mehmet. Er erzählte (wenn auch zögerlich- auf beharrliches Nachfragen) dann, dass er eines Morgens wach wurde und sich sicher war, dass er eine neue Begabung an sich entdeckt hatte, die Geld bringt! Er stellte fest, dass er durch Handauflegen, Drücken, Einrenken usw. Gliederschmerzen, Ischias, Bandscheibe, Nieren, Kopfschmerzen heilen kann. Er sei über Nacht "Doktor" geworden. Allah habe ihm diese Begabung geschenkt. Durch uns unbekannte Wege erfuhr auch die Öffentlichkeit von dieser Begabung. Von weit her kommen die kranken Menschen und "Doktor" hilft ihnen. Aus der gesamten Türkei, ihr glaubt es nicht.

Irgendwann war eine Frau des Weges gegangen, nachdem sie sich verabschiedet hatte. Die 2. Frau half dann in der Küche bei der Zubereitung des Essens mit, bereitete die Fische, unterhielt sich mit Täupsken, man scherzte, lachte. Irgendwann wurde das Essen gereicht, es gab gebratenen Fisch (verm. Forelle).

Nach kurzer Zeit klingelte es wieder. Ein Mann mittleren Alters kam zu uns ins Wohnzimmer. Ich überlegte nun, ob ich evtl. meine "heilenden" Hände einsetzen sollte, um die Urlaubskasse aufzubessern, aber Täupsken hielt mich zurück. Mist! Und wir haben selbst gehört, dass Mehmet mit "Doktor" angesprochen wurde
😧😮

Für uns war es ein besonderes Erlebnis, wir kennen einen "Wunderheiler" und das ist unser "Doktor". Ich habe ihm vorsorglich für nächstes Jahr meine Hilfe (Vertretung, damit er auch mal Urlaub machen kann) angeboten. Es würde auch klappen, aber ich benötige doch (auch wenn es schwer fällt, es einzugestehen) ab und zu einen Dolmetscher. Und immer ist Täupsken ja auch nicht dabei, sie besteht auf ihren Urlaub, will nicht wieder eingespannt sein. Ich habe es akzeptiert, obwohl 20 Patientinnen / Patienten pro Tag normal sein dürften. Und alles steuerfrei. Boaaaah. Mir gehen schon Pläne durch den Kopf, was ich alles kaufen kann, wenn ich nächstes Jahr "Doktor" werde. 

 

Gestern führte unser Weg uns weiter. Hier mal unsere Route in der Türkei, die sich gestern geschlossen hat, denn wir sind wieder in Ayvalik. 

Mein letzter Gedanke zu Ayvallik: Vor vielen Jahren haben wir hier Chris und Dagmar besucht und waren in der Folgezeit ein paar mal hier, weil es so schön ist. 

Gestern standen wir vor der Entscheidung: Wo bleiben, übernachten wir?  Wir suchten uns einen schönen Stellplatz, direkt am Strand/Wasser aus. Mit dem "Liegen"- Fuzzy, der hier die Liegen und Sonnenschirme bereit stellt, nahmen wir natürlich Kontakt auf. Er begrüßte uns herzlich, nahm die Zigarette (Marlboro) dankend an und freute sich, dass wir sein Strandstück ausgewählt hatten. 


Heute wiederum eine freundliche, herzlich Begrüßung. Irgendwann klopfte es am Womo und er stand an der Tür und übergab mir 2 ganz frische Gurken. Mit einem zahnlosen, freundlichen Lächeln, wortreich- aber meine Türkischkenntnisse reichten leider nicht aus (Täupsken war schon am Wasser). Ich sah nur diese freundlichen Augen und war total sprachlos. Diese Gastfreundschaft!!!! Ich war fertig.

Nach einiger Zeit ging ich zu ihm an den Strand und bot ihm wieder eine Marlboro an, mit dem Hinweis, dass er eine auf Vorrat hinters Ohr klemmen könne. NEIN!!! Das lehnte er ab. Er nahm eine, lächelt, lehnte aber die 2. rigoros ab. Ich war wieder sehr nachdenklich geworden. Das ist die Türkei, die wir lieben. Diese Freundlichkeit, Herzlichkeit der Menschen.

Wir sind wohl zu sensibel für unsere teilweise herzlose und berechnende Zeit, deshalb genießen wir diese Kleinigkeiten, Nettigkeiten des tägl. Lebens um so mehr. Ich drücke EUCH die Daumen, dass ihr ALLE die Fähigkeiten besitzt und dieses auch wahrnehmen und genießen könnt. Ich wünsche euch einen schönen Abend.

Morgen fahren wir schweren Herzens weiter in Richtung Europa, Cannakale. Bereits jetzt haben wir Abschiedsschmerz, werden nächstes Jahr wieder kommen, denn die Türkei ist unser Traum-Reise-Land, da sind wir uns sicher geworden. Außerdem klingt uns noch von Zeynep der Wunsch im Ohr: "Wieder kommen. Nicht vergessen!"

Prost, ich trinkt mir auf die schönen Erinnerungen erstmal EIN Efes (für Pinkshell: türkisches Bier, Biermarke). 

Tüssken und auch von Täupsken schöne Grüße

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rita50 [Mitglied]
05.06.12 @ 21:12

Hallo ihr zwei Urlauber!!!
Habe mit großem Interesse Eure Reise verfolgt und freue mich sehr, dass ihr so einen schönen Urlaub hattet, der viel zu schnell vorbei ist, gell??? Das Erlebnis mit Eurem "Doktor" finde ich ziemlich lustig :-). Hoffe aber das er den armen Menschen auch helfen kann, DAUERHAFT :-(
Danke Gisela das Du an mich gedacht hast, habe aber ein super gutes Blutdruckmessgerät und abgesehen davon hält mein Mann mich immer gut auf Trapp :-;
Ich hoffe das Eure Heimreise auch super gut klappt und ihr noch schöne Eindrücke mit nach Hause nehmen könnt. Bei uns ist alles paletti. Vanessa hat am Freitag die Fahrprüfung, hoffe dass sie sie besteht. Freue mich schon auf Euren Herbsturlaub, wenn wir uns wiedersehen.
Liebe Grüße Rita, Michael
Soll Euch auch von Alexander und Vanessa ganz lieb grüßen!!! :-))

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